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TRANSFORMATION
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"Man muß sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet." | Paul Cézanne

Bei der Beschäftigung mit dem Phänomen Auto stellt man schnell fest, dass das Auto mehr ist als ein Transportmittel. Das Auto ist umgeben von einer Aura des Irrationalen und diente von Beginn an als Projektionsfläche für weitreichende Phantasien. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat dies in einem Interview wie folgt beschrieben: ?Alle Theorien, die das Auto als Transportmittel charakterisieren, vergessen eine ganze Dimension: das Automobil ist ebensosehr Rausch- wie Regressionsmittel. Es ist ein rollender Uterus, der sich von seinem biologischen Vorbild dadurch vorteilhaft unterscheidet, daß er mit Selbstbeweglichkeit und Autonomiegefühlen verbunden ist. Das Auto ist eine um den Fahrer herumgebaute platonische Höhle mit dem Vorzug, daß man in ihr nicht angeschmiedet sitzt, sondern daß die fahrende Privathöhle Ausblicke auf eine vorbeigleitende Welt gewährt." | Peter Sloterdijk: "Rollender Uterus" - Der Philosoph Peter Sloterdijk über Menschen und Autos, in: "Der Spiegel", Nr. 8/195, S. 130.| Die Verschmelzung des Menschen mit dem Auto ist in den meisten Ländern so weit fortgeschritten, das ein Leben ohne Autos nicht mehr vorstellbar ist. "In der alltäglichen Wirklichkeit wird das Auto meist nicht als technischer Gegenstand verstanden, sonder auf die mythische Weise vormoderner Weltdeutung identifikatorisch aufgeladen. "Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt. Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen." | Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung, in: Barner, Detken, Wesche; Texte zur Mythentheorie, Stuttgart 2003 | Stellt sich die Frage: wie hat das Auto, ein durch und durch "aufklärerisches" Objekt, es geschafft dieser Entzauberung zu entgehen?

Die visuelle Langzeitstudie "Fahrzeuge" gibt keine Antwort auf diese Frage. Vielmehr soll sie mit den Mitteln der Fotografie die aus der massenhaften Verbreitung des Autos resultierende Gewöhnung an seine Erscheinung, und die damit verbundene Routine in der Auseinandersetzung mit dem Auto näher untersuchen. Dabei liegt der Fokus besonders auf der Erscheinung des Automobils im Wandel von Zeit und Raum. Durch die massenhafte Verbreitung des Autos ist man heute so an dessen Erscheinung gewöhnt, dass man zwar täglich unzählige Autos sieht, diese aber nicht bewusst wahrnimmt. Autos bilden eine Art Grundrauschen in der täglichen Wahrnehmung. Man kann unmöglich vorbeischauen. "Das Auto ist kein rationaler, distanzierter Gegenstand, sondern eine quasi-natürliche, lebensweltliche Umgebungstatsache, in die wir verstrickt sind. ...wir gehen ähnlich phantasiegesteuert und distanzlos mit ihm um wie unsere vormodernen Vorfahren mit der sie umgebenden Natur." | Johannes Bilstein, Matthias Winzen, Der Traum vom rasenden Körper, in: Ich bin mein Auto, Baden-Baden, 2001 | Mit dem Blick durch den Sucher der Kamera soll die verlorene Distanz im Umgang mit dem Automobil wieder hergestellt werden. Indem man die Kamera als Distanzstück zwischen vorhandenem Wissen und sichtbarer Welt einsetzt, sieht man das die Erscheinung des Automobils flüchtig ist. Sie ist nicht nur Produkt und anonymer Zeuge einer sich ständig verändernden Umwelt, sondern als industrielles Massenprodukt ist das Auto immer auch ein Abbild einer bestimmten Zeit und Kultur.

Es soll der Versuch gewagt werden das Auto, mit Hilfe der Fotografie, von seinen gesellschaftlichen Funktionen zu isolieren und es als Objekt zu präsentieren. Durch die Eigenschaft der Fotografie, die Realität in ein Bild zu transformieren wird das Auto in einer neuen Bildwirklichkeit präsentiert, in der formale Aspekte massgebend sind. Die so entstandenen, autonomen Bilder sollen die Erscheinung des Automobils einer bestimmten Zeit, und an verschiedenen Orten durch abbilden konservieren um sie so jederzeit sichtbar, und vergleichbar machen zu können. Langfristig steht die Errichtung eines Archivs im Mittelpunkt, anhand dessen sich eine mediale Ausdifferenzierung der Erscheinung des Automobils zu Beginn des 21. Jahrhunderts sichtbar machen lässt.

Zur Zeit umfasst die Arbeit ca. 500 Bilder. Die Bilder können in verschiedenen Kategorien geordnet werden. Die Kategorien werden in Blöcken an der Wand präsentiert.